
Willstne Kippe?


Willstne Kippe?
„Darf ich mir was zu essen nehmen?“ Ich antworte nicht einmal. Willst du wirklich jedesmal fragen, wenn du scheißen gehst? Wie lange kenne ich dich nun schon? Sind es nicht bereits 24 Jahre? Sie fragt vor jeder Scheibe Brot, die sie isst. Der Fußboden auf dem sie steht, ein Mülleimer. Einmal hat sie es sogar ausgesprochen: „Ich wohne hier ja nicht“. Das alkoholhaltige Getränk tropfte noch von dem Glasrand ihres Glases auf den Boden.
Margret drückt mich. Sie drückt mich stark und wimmert: „Ich habe dich doch so lieb.“ Drücken tut sie wie ein Egel saugt. Danach übermannt mich jedesmal ein Gefühl völliger Leere. Ich schaue sie an und muss gezwungenermaßen an einen hechelnden Dackel denken, der den Geruch von Trockenfleisch in der Nase trägt. Der Duft kommt wohl aus meiner Hosentasche.
Wache auf und hole ihr neue Strümpfe zum Wechseln. Sie schämt sich. Sie schämt sich gerne. „Danke“ Ich muss darauf irgendetwas antworten, Ich schaue sie an. Die Wut kocht in mir und ich schreie sie an. Warum bist du hier? Sag es mir. Sei ehrlich. Mir fehlt die Ehrlichkeit an dir. Nie bist du ehrlich. Du kriechst auf dem Boden vor mir, wenn du mit mir redest. Sobald wir schweigen, hockst du dich hin und scheißt mir auf die nackten Füße.
Margret fängt an zu zittern. Sie schreit ein bisschen und schaut mich an. Sie ist nicht gerade ein Mensch, der Kritik verträgt. Für ein paar Momente überlege ich, soll ich die Stadt verlassen? Dann lasse ich sie hier.
Hochinteressant, nicht wahr? Aber was geht Sie das eigentlich an?
Ich bin dein Chef (böses Gelächter). Ich muss wissen, was du den ganzen Tag tust.
Aha, wieso? Bisher schaffte ich doch jede Aufgabe in dem Zeitfenster, das Sie mir vorgaben. Ist es wirklich nötig, dass ich hier behandelt werde wie ein Fließbandarbeiter aus der guten alten Zeit?
Na, aus Prinzip, schaue in deinen Vertrag, 8 Stunden sollst du ackern, dass dir die Pupillen aus dem Augenschleim tropfen.
Aber meine Effektivität würde sich wohl kaum steigern , außer ich bekomme ein Fließband vor die Nase gestellt. Und ich wäre auch noch qualifiziert.
Eine tolle Idee, ich hole dir schnell noch einen härteren Stuhl (ab).
Jeder Gott würde jetzt wohl sagen, dass hätte ich verdient. Ein Fließbandarbeiter in Einzelhaft wird wohl nur traurige Geschichten erzählen können. Da kommt er ja schon, den Stuhl hat er wohl vergessen.
Haha, mir kam eine tolle Idee, wozu einen Stuhl, den müsste ich doch auch noch auf die Fixkosten heraufrechnen, vergessen Sie Ihren Traum, (triumphierende Pause) ich habe einen Weg gefunden Ihnen noch weniger Geld zu zahlen, der Staat wird Ihnen für Ihre restlichen Ausgaben einen Kredit gewähren.
Ich freue mich immer Sie zu sehen. Sie haben ja eine gesunde Farbe erhalten, in ihrem letzten Urlaub, wo waren Sie?
Einfaltspinsel, an die Arbeit, immer schön „Enter“ drücken!
(Das Fließband rattert los, kabellose Tastaturen rasen vorbei, die Frau ohne Bürostuhl haut immer daneben, Gefahr)
Nein, nein, nein, HALTEN SIE DAS BAND AN.
(Das Fließband hält, ein lautes Schnaufen verscheucht die kurze Stille)
Bist du des Wahnsinns? Der „Enter“-Knopf ist hier!! Hier! Schau!!! Hier!!! HIER!!!
Weshalb schreien Sie so, vielleicht könnten wir das Band zunächst langsamer fahren lassen, dann könnte ich mich an meine neue Situation gewöhnen.
Sie haben Recht. Das vielleicht. Aber gewöhn dich schnell, ich esse erst einmal zu Mittag.
Guten Appetit!
Fresse! (ab)